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Pfarre Inzersdorf-
St. Nikolaus
1230 Wien, Draschestr.105
Tel: 615 56 21
pfarre.sanktnikolaus @aon.at

Zur Geschichte der Pfarre St. Nikolaus

Die Pfarre Inzersdorf St. Nikolaus ist                               aufgebaut. Die Priester wohnten in Wien

heute jener Teil des 23. Wiener Gemeinde‑                   und kamen nur zum Messelesen, dadurch

bezirkes, der von der Pottendorfer Bahnli‑                    war Inzersdorf schlecht betreut. Das einer­

nie im Norden und Osten, von der Landes‑                        seits und die Zugehörigkeit des neuen

grenze Wien‑Niederösterreich im Süden                           Gutsherrn zum lutherischen Bekenntnis

und von der Autobahn im Westen begrenzt                andererseits bewirkte, daß Inzersdorf eine

wird. Früher war Inzersdorf eine eigene                              Hochburg des Protestantismus wurde.

politische Gemeinde und reichte weit in                           1579 wurde das "Auslaufen" zum prote­-

den heutigen 10. Bezirk hinein.                                        stantischen Gottesdienst nach Inzersdorf

Inzersdorf St. Nikolaus ist eine der ältesten                 und Hernals bei Strafe verboten. Erst rund

Pfarren der Erzdiözese Wien. Die Grün‑                         100 Jahre später begann in Inzersdorf wie­

dungsurkunde, datiert vom 15. September                                      der ein katholisches Pfarrleben.

1217, ist nur in einer Abschrift erhalten.                        Nach der großen Pest 1679, die Inzersdorf

Aus ihr geht hervor, daß die Schloßkapelle                     ziemlich verschont hatte, errichteten die

des Ritters zu Inzersdorf mit den Pfarrech‑                      Bewohner aus Dankbarkeit eine Marien­-

ten ausgestattet war. In der Folge erlebte                           säule gegenüber der Kirche. Ob es die

die Ortschaft und die Pfarre schwere wech‑                  Marienstatue ist, die derzeit in der Kirche

selvolle Zeiten: Pest, Hungersnot, Krieg,                                                    steht, ist nicht erwiesen.

Überfälle, Plünderungen und Brandschat‑                       Im 2. Türkenkrieg 1683 wurde Inzersdorf

zungen. Vorbeiziehende Kreuzfahrer                              total zerstört. Es dauerte rund 60 Jahre, bis

brachten  wahrscheinlich die Verehrung                       sich die Pfarre wieder einigermaßen erholt

des Hl. Nikolaus nach Inzersdorf.                                 hatte und die Kirche wieder hergestellt war

1452 wurde am Wienerberg einer der                                (Renovierung 1744). 1817 zerstörte ein

Wiener Hinrichtungsstätten gehörte                                  Brand die gotische Kirche. Der damalige

aber zu Inzersdorf, eine Gedenksäule er‑                        Gutsbesitzer, Herzog von Corigliano, ließ

richtet "Spinnerin am Kreuz". Über den                        sie in der heutigen Form neu bauen: Rund­

Bauherrn und seinem Motiv gibt es viele                        bau mit Altarapsis, Portikus und Campa­-

Sagen, historisch Gesichtertes haben wir                    nile im oberitalienischen Klassizismus. Der

nicht. Sie liegt heute nicht mehr in unserem                    Bau wurde 1820 vollendet. Im Jahre 1846

Pfarrgebiet. Gott sei Dank blieb sie trotz                         wurde die Kirche vom Gutsbesitzer Alois

aller Wirrnisse unserer Zeit erhalten.                                       Miesbach vergrößert. Er ließ für den

Im Jahre 1529 wird ein Großteil von In‑                            Hochaltar und die Sakristei einen Zubau

zersdorf zerstört, auch das Pfarrhaus. Es                      errichten. Seit damals schmückt den Hoch­

wurde nach dem Krieg nicht gleich wieder                    altar auch das große Kreuz, eine Nachbil‑

                                                                                                            Fortsetzung unten links

 Fortsetzung oben.................

  


 

dung des bekannten Lettner‑Kreuzes von                    fin Auersperg. Die Ziegelwerke gingen an

St. Stephan, das 1945 fast völlig zerstört                          den jeweiligen Besitzer der Herrschaft In­

wurde.                                                                                    zersdorf über. Der wohl bedeutendste

1860 ließ Heinrich Ritter Drasche von                                Mann war Alois Miesbach, der im Jahre

Wartinberg an der Ostseite der Kirche eine                1820 die verschiedenen Ziegeleien am Wie‑

Kapelle dazubauen, als Grabkapelle für                             nerberg von Herzog Corigliano pachtete

seinen Onkel Alois Miesbach und für das                       und schließlich die Gutsherrschaft zu In­-

Haus Drasche. 1978 wurde diese Kapelle                            zersdorf mit allen Ziegeleien erwarb. Im

renoviert und Marienkapelle benannt und                    Jahre 1830 war Alois Miesbach bereits der

dient seither als Wochentagskapelle. 1899                        alleinige Eigentümer aller Wienerberger

wurde der Turm renoviert, das Kirchen‑                           Ziegelwerke. 1857 starb er und hinterließ

dach neu eingedeckt, die Malerei ausgebes‑                       seinem Neffen Heinrich Ritter Drasche

sert und in der Kirche eine Gasbeleuchtung                    von Wartinberg seinen gesamten Besitz.

installiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die                           Die Arbeiterschaft dieser Ziegelwerke

Kirche schwer beschädigt. Die fundamen‑                      machte alle Höhen und Tiefen der Arbei­-

tale Wiederherstellung geschah in den Jah‑                  terbewegung durch. Das Ende dieser Zie­-

ren 1955‑60. Eine Generalsanierung und                              gelwerke kam erst in den letzten Jahren

Renovierung erfolgte 1980/81: Mauer‑                                            durch Erschöpfung des Bodens.

trockenlegung, neuer Fußboden mit Hei‑                                                                                                ­

zung, neue Kirchenfenster von Prof.                                                                                                       

Lehmden, Bänke und Umgestaltung des                                                                                                

Altarraumes nach den Erfordernissen der                                                                                              

Liturgiereforrn. Außen wurde die ur‑                                                                                                       

sprüngliche Gestaltung und Gliederung                                                                                                 

wieder hergestellt und sowohl die Kirche                                                                                               

als auch der Turm neu bemalt und der                                                                                                    

Turm wieder mit einer Uhr versehen.                                                                                                       

                                                                                    

Wir bitten Gott und bemühen uns, daß die                                                                                            

so wieder hergestellte St. Nikolaus‑Kirche                                                                                             

Zentrum der religiösen und geistigen Prä‑                                                                                              

gung unserer Pfarrgemeinde sein möge.                                                                                                 

Prägend für Inzersdorf war neben der Guts-

herrschaft, dem Bürger- und Bauerntum,

vor allem auch die Arbeiterschaft. Entscheidend

dafür war die Wienerberger Ziegelfabrik. Sie

wurde im Jahre 1775 durch Verordnung der

Kaiserin Maria Theresia gegründet.

Die Gutsherrschaft Inzersdor war damals im

Besitz der Grä-

 Fortsetzung rechts oben.......

Eingescannt von "Eine Pfarrgemeine stellt sich vor" Artikel von Altpfarrer J. Pucher